# KI-Coding-Agents: Checkliste & Spickzettel *pletzenauer – digital consulting* Diese Checkliste hilft Ihnen, KI-Coding-Agents (z. B. Claude Code) wie ein Regisseur zu führen statt wie einen Spielautomaten zu bedienen. Drucken Sie sie aus oder legen Sie sie neben Ihren Bildschirm – und gehen Sie sie bei jedem ernsthaften Vorhaben einmal durch. --- ## Der 4-Schritte-Loop (immer in dieser Reihenfolge) **Planen → Bauen → Verifizieren → System verbessern** 1. **Planen** – mit dem nötigen Kontext klären, was gebaut wird und wie Erfolg konkret aussieht. 2. **Bauen** – die Umsetzung möglichst weit an den Agent delegieren. 3. **Verifizieren** – einen eigenen, klaren Weg haben, das Ergebnis zu prüfen (Beweis statt Behauptung). 4. **System verbessern** – aus jedem Durchlauf eine dauerhafte Verbesserung ableiten. > **Faustregel:** Sie sind der Produktmanager. Sie müssen nicht das *Wie* beschreiben – aber das *Was* und vor allem das *Warum*. --- ## ⚠️ Die „dumb zone" – kurz zur Erinnerung Trotz riesiger Kontextfenster ist die Aufmerksamkeit eines Modells eine knappe Ressource. Im vorderen Bereich des Kontextfensters arbeitet das Modell scharf; ab einer gewissen Menge kippt es: Es übersieht Dinge und macht Fehler, die bei frischem Kontext nie passiert wären. **Kippen Sie nicht alles auf einmal hinein – erreichen Sie den kritischen Punkt am besten gar nicht erst.** --- ## (a) Vor dem Start / Planung - [ ] Ein einziges Planungsdokument angelegt, das das Ziel beschreibt. - [ ] Geklärt: Was bauen wir – und warum? - [ ] Geklärt: Wie sieht Erfolg konkret aus? - [ ] Geklärt: Woran erkennt der Agent, dass die Arbeit fertig und korrekt ist? - [ ] Bei technischen Aufgaben: Welche Stellen im bestehenden System müssen tatsächlich angefasst werden? - [ ] Kontext und relevante Dokumente vorab gesammelt, dann recherchiert. - [ ] Den Agent viele Rückfragen stellen lassen, bevor er loslegt (keine stillen Annahmen). - [ ] Bewusst abgewogen: Was gebe ich vorab mit – was darf der Agent bei Bedarf selbst entdecken? - [ ] Große Aufgabe in kleinere Teilaufgaben zerlegt (statt alles in eine Sitzung zu werfen). - [ ] Bei großen Vorhaben: mehrere spezialisierte Sitzungen geplant, die sich sauber übergeben. ## (b) Während des Bauens - [ ] Die Umsetzung an den Agent delegiert – ohne das *Warum* aus den Augen zu verlieren. - [ ] Den Kontext bewusst schlank gehalten (nicht alles auf einmal laden). - [ ] Bei Übergaben zwischen Sitzungen: kurzer Ausführungsbericht (was getan, was offen, was als Nächstes). - [ ] Nicht nach Meinung gefragt („Sieht das gut aus?") – Modelle neigen zur Schmeichelei. - [ ] Stattdessen nach Funktionsweise, Erklärungen oder belegbaren Fakten gefragt. ## (c) Verifikation / Prüfen - [ ] Vor dem Bauen definiert, *wie* der Agent belegen muss, dass die Arbeit fertig ist. - [ ] Leitfrage gestellt: Wie kann der Agent das Ergebnis so prüfen, wie es ein echter Nutzer tun würde? - [ ] Konkreter Prüfmechanismus eingebaut (z. B. Tests, Linting, gerendertes Bild zur Selbstkontrolle). - [ ] Nicht nur den Code angesehen – das genügt nie. - [ ] „Was könnte hier schiefgehen?" gefragt und den Agent gezielt Grenzfälle konstruieren lassen. - [ ] Bei Fehlern: Problem gefunden, behoben – und **erneut getestet** (die Korrektur kann danebengehen). - [ ] Bei Zweifeln: ein zweites Modell als Advocatus Diaboli in separater Sitzung antreten lassen. ## (d) Sicherheit & Berechtigungen - [ ] Verinnerlicht: Alles, was der Agent lesen oder anfassen kann, fasst er irgendwann auch an – selbst ungefragt. - [ ] Berechtigungen technisch durchgesetzt (eng gefasste Schlüssel, unerreichbare Ressourcen) – nicht per Prompt. - [ ] Heikle Aktionen (löschen, versenden, bezahlen) hart begrenzt oder unmöglich gemacht. - [ ] Wo sinnvoll: Hooks gesetzt, die riskante Befehle vor der Ausführung prüfen und blockieren. - [ ] Sensible Daten und Verteiler vom Zugriff des Agents ausgeschlossen. ## (e) Nach jedem Durchlauf / System verbessern - [ ] Bei jedem Problem gefragt: Was lässt sich verbessern, damit es nicht wiederkehrt? - [ ] Aus der Erkenntnis ein dauerhaftes Upgrade gemacht (neue Regel, Planungsdokument oder Skill). - [ ] Wiederkehrende Verfahren als Skill festgehalten (Best Practices, die das Modell bei Bedarf zieht). - [ ] Wo sinnvoll: am Sitzungsende automatisch eine Zusammenfassung ins Tageslog schreiben lassen. - [ ] Klein angefangen: einen eigenen Prozess aufgeschrieben, zerlegt und Erfolgskriterien definiert. --- *Quelle: Diese Checkliste basiert auf dem Blogartikel von [pletzenauer.com](https://pletzenauer.com) und dem Video „How to Build Effective Claude Code Agents in 2026" von Nate Herk | AI Automation (https://www.youtube.com/watch?v=RzLV8sfFdMM).*