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DSGVO im KI-Vergleich: Claude, ChatGPT, Gemini, Copilot

Die Kurzantwort: Alle vier großen Anbieter trainieren in ihren Geschäftstarifen standardmäßig nicht auf Ihren Inhalten. Der datenschutzrelevante Unterschied liegt also nicht zwischen den Anbietern, sondern zwischen den Tarifen — und Ihr größtes Risiko sind die privaten Zugänge, die Ihre Mitarbeiter nebenbei nutzen. Diese drei Fragen entscheiden: Wird auf unseren Daten trainiert? Ab welchem Tarif nicht mehr? Und wer haftet laut Auftragsverarbeitungsvertrag?

Stand: September 2026. Alle Angaben stammen aus der Dokumentation der jeweiligen Anbieter und sind am Veröffentlichungstag geprüft. Dies ist eine Praxis-Einschätzung aus der Beratung, keine Rechtsberatung — die verbindliche Bewertung Ihres konkreten Falls gehört zu Ihrem Datenschutzbeauftragten oder einer Kanzlei.

Offenlegung: Ich verdiene mein Geld mit Beratung und Training rund um Claude. Deshalb halte ich mich in diesem Beitrag streng an das, was die Anbieter selbst dokumentieren — keine Aussage ohne Beleg aus deren eigener Doku.

Das Wichtigste in Kürze

  • Geschäftstarife trainieren nicht — bei Claude, ChatGPT, Microsoft und Google gleichermaßen.
  • Privattarife von Claude und ChatGPT trainieren standardmäßig mit, mit Opt-out. Das ist der Kern des Problems.
  • Schatten-KI ist Ihr eigentliches Risiko: Mitarbeiter mit privaten Gratiszugängen und Firmendaten.
  • Datenresidenz ist meist ein Enterprise-Merkmal, nicht Teil der günstigen Geschäftstarife.
  • Vier Dinge löst kein Anbieter für Sie: Richtlinie, Rollen, Prompt-Hygiene und die Kontrolle über Schatten-Nutzung.

Die drei Fragen, die zählen

Datenschutz-Marketing ist bei allen vier Anbietern gut gemacht und sagt Ihnen wenig. Was Sie wirklich wissen müssen, lässt sich auf drei Fragen eindampfen:

  1. Wird auf unseren Daten trainiert? Und zwar standardmäßig, nicht „nach entsprechender Konfiguration“.
  2. Ab welchem Tarif nicht mehr? Das ist die Frage, die in der Praxis über das Risiko entscheidet.
  3. Wer ist unser Vertragspartner, und was steht im AV-Vertrag? Inklusive Serverstandort, Aufbewahrung und Subunternehmern.

Die Übersicht

ClaudeChatGPTM365 CopilotGoogle Gemini
Training im Privattarifja, Opt-out möglichja, Opt-out möglich
Training im Geschäftstarifnein (Standard)nein (Standard)neinnein
AV-Vertragfür Team/Enterprisefür Business/EnterpriseTeil der M365-VerträgeTeil der Workspace-Verträge
DatenresidenzEnterprise: eigene Retention-KontrollenEnterprise: 10 RegionenEU-Datengrenze, erweiterte Residenzüber Workspace-Einstellungen
ProtokollierungAudit-Logs (Enterprise)Compliance-API (Enterprise)Prompts werden protokolliertAdmin-Konsole
EU-VertragspartnerAnthropic Ireland LimitedOpenAI IrelandMicrosoft IrelandGoogle Ireland

Bei Microsoft und Google steht in den ersten beiden Zeilen ein Strich, weil es dort keine „Privattarife“ im hier gemeinten Sinn gibt — Copilot und Gemini werden als Geschäftsprodukte über Ihre bestehende Lizenz bezogen. Das ist, wenn man so will, ein struktureller Datenschutzvorteil dieser beiden: Es gibt keine billige Nebentür, durch die Mitarbeiter versehentlich gehen können.

Der Kern: Der Tarif entscheidet, nicht der Anbieter

Anthropic weist für die Consumer-Pläne Free, Pro und Max ein Opt-out beim Training aus — das Training ist also standardmäßig aktiv, sofern Sie nicht widersprechen. Für die Commercial-Produkte Team, Enterprise und API gilt: „Standardmäßig verwenden wir Ihre Ein- und Ausgaben aus unseren kommerziellen Produkten nicht, um unsere Modelle zu trainieren.“

OpenAI führt in der Vergleichstabelle der Privattarife ebenfalls „Inhalte werden zum Training unserer Modelle verwendet — Opt-out verfügbar“. Für ChatGPT Business heißt es dagegen ausdrücklich, Ihre Geschäftsdaten würden nicht zum Training verwendet.

Daraus folgt die eigentliche Erkenntnis dieses Beitrags: Ihr Datenschutzrisiko sitzt nicht in der Geschäftsleitungsentscheidung, sondern in der Belegschaft. Die Geschäftsführerin, die nach sorgfältiger Prüfung Claude Team auswählt, hat das Problem nicht gelöst, solange drei Mitarbeiter weiterhin ihre privaten Gratiskonten für Angebote und Vertragsentwürfe nutzen. Genau diese Schatten-Nutzung ist der Fall, den ich am häufigsten vorfinde — und sie kostet keinen Cent Lizenzgebühr, aber potenziell sehr viel anderes.

Die Feinheiten je Anbieter

Claude

Für die Commercial-Produkte gilt kein Training standardmäßig. Die praktisch wichtige Ausnahme ist der Feedback-Knopf: Wer Daumen hoch oder runter drückt, überträgt die vollständige Konversation, die dann nach Entkopplung von der Nutzer-ID bis zu fünf Jahre in gesicherten Systemen gespeichert werden kann. Administratoren können diese Funktion organisationsweit abschalten — und in Umgebungen mit sensiblen Daten würde ich genau das tun, bevor die erste Person sie benutzt. Enterprise bringt zusätzlich SCIM, Audit-Logs, konfigurierbare Aufbewahrung und rollenbasierte Rechte. Für EU-Dienste nennt Anthropic in der Fußzeile der eigenen Website Anthropic Ireland Limited als Anbieter.

ChatGPT

Business bringt SAML-SSO, Mehrfaktor-Anmeldung und die Zusage, dass Geschäftsdaten nicht zum Training verwendet werden. Der wichtige Unterschied zu Enterprise: Datenresidenz in zehn Regionen, SCIM, Enterprise Key Management, rollenbasierte Zugriffskontrolle und eigene Aufbewahrungsrichtlinien sind Enterprise-Merkmale, nicht Teil des Business-Tarifs. Wenn Ihre Prüfer auf Datenresidenz bestehen, ist Business nicht die Antwort.

Microsoft 365 Copilot

Microsoft sichert unter dem Begriff Enterprise Data Protection zu, dass Prompts und Antworten innerhalb der Microsoft-365-Dienstgrenze bleiben und nicht zum Training der Sprachmodelle verwendet werden, mit Unterstützung für DSGVO, ISO/IEC 27018, EU-Datengrenze und erweiterte Datenresidenz.

Ein Punkt, den Sie kennen und aktiv kommunizieren sollten: Prompts und Antworten werden protokolliert und unterliegen Ihren Aufbewahrungsrichtlinien. Aus Compliance-Sicht ist das ein Vorteil — es ist prüfbar, wer was gefragt hat. Aus Mitarbeitersicht ist es eine Information, die vor der Einführung auf den Tisch gehört, nicht danach. Wo ein Betriebsrat existiert, ist das ohnehin ein Thema.

Google Gemini

In den Workspace-Geschäftstarifen findet kein Training auf Ihren Inhalten statt. Der praktische Vorteil liegt in der Vertragslandschaft: Wenn Sie Workspace bereits datenschutzrechtlich geprüft und freigegeben haben, ist die Nutzung der enthaltenen Gemini-Funktionen ein deutlich kleinerer Schritt als die Einführung eines zusätzlichen Anbieters. Wer das erweiterte Add-on bucht, sollte den Funktions- und Datenumfang gesondert prüfen.

Die vier Dinge, die kein Anbieter für Sie löst

Das ist der Teil, den Beratungsgespräche gern überspringen, weil er unbequem ist. Kein Tarif der Welt ersetzt diese vier Punkte.

1. Eine Richtlinie. Eine Seite, nicht zwanzig. Was darf hinein, was nicht, welcher Zugang ist erlaubt, an wen wende ich mich bei Unsicherheit. Eine Richtlinie, die niemand liest, ist keine Richtlinie, sondern eine Ablage.

2. Rollen und Berechtigungen. Wer darf welchen Zugang nutzen, wer verwaltet ihn, wer entfernt ihn beim Austritt? Der letzte Punkt ist der, der in kleinen Betrieben regelmäßig vergessen wird — und ein aktiver KI-Zugang eines ausgeschiedenen Mitarbeiters ist genau die Art von Befund, die eine Prüfung unangenehm macht.

3. Prompt-Hygiene. Keine vollständigen Personalakten, keine Zugangsdaten, keine ungeschwärzten Kundendaten, solange das nicht ausdrücklich geprüft ist. Das ist keine Technikfrage, sondern eine Gewohnheitsfrage — und Gewohnheiten entstehen durch Schulung, nicht durch Verbote in einem Dokument.

4. Kontrolle über Schatten-Nutzung. Der wichtigste Punkt und der einzige, der wirklich Geld kostet: Geschäftszugänge für alle, die es brauchen. Wer hier spart, verlagert die Datenverarbeitung in private Konten, über die er weder Kenntnis noch Kontrolle hat. Das ist teurer als jede Lizenz.

Eine praktikable Reihenfolge

  1. Bestandsaufnahme: Wer nutzt bereits was, und womit? Fragen Sie ohne Sanktionsdrohung, sonst bekommen Sie keine ehrlichen Antworten.
  2. Geschäftstarif buchen für alle, die KI im Arbeitszusammenhang nutzen.
  3. Trainings- und Feedback-Einstellungen prüfen und dokumentieren — inklusive Screenshot, damit die Prüfung später nachvollziehbar ist.
  4. AV-Vertrag abschließen und mit dem Datenschutzbeauftragten gegenzeichnen.
  5. Richtlinie schreiben und in einer Schulung erklären, nicht per Mail verteilen.
  6. Private Zugänge für Firmendaten untersagen — glaubwürdig nur, wenn Schritt 2 erledigt ist.

Zur Vertiefung: Für Claude im Unternehmen habe ich das im Beitrag Datenschutz und DSGVO in der Praxis ausführlicher beschrieben.

Häufige Fragen

Reicht es, im Privattarif das Training abzuschalten?

Technisch reduziert es das Risiko, organisatorisch ist es keine Lösung. Sie hätten dann eine Einstellung, die jede Person einzeln vornehmen und beibehalten muss, ohne dass Sie es zentral prüfen können — und ohne AV-Vertrag. Für den betrieblichen Einsatz führt der Weg über den Geschäftstarif.

Welcher Anbieter ist aus DSGVO-Sicht der beste?

Auf Ebene der Geschäftstarife nehmen sich die vier wenig — alle sagen zu, nicht auf Ihren Inhalten zu trainieren, alle bieten die üblichen Vertragswerke. Unterschiede entstehen erst bei speziellen Anforderungen: Wenn Sie Datenresidenz in einer bestimmten Region brauchen, ist die Auswahl kleiner und meist teurer. Wer Ihnen ohne Kenntnis Ihrer Anforderungen einen klaren Sieger nennt, rät.

Brauchen wir eine Datenschutz-Folgenabschätzung?

Das hängt davon ab, welche Daten Sie verarbeiten und in welchem Umfang — und genau das ist eine Frage, die Ihr Datenschutzbeauftragter beantworten muss, nicht ein Blogbeitrag. Bereiten Sie das Gespräch vor, indem Sie die konkreten Anwendungsfälle und Datenarten aufschreiben. Das verkürzt es erheblich.

Was ist mit dem Betriebsrat?

Wo einer existiert, holen Sie ihn früh dazu — besonders wenn Prompts protokolliert werden, wie bei Microsoft dokumentiert. Eine Einführung, die am Mitbestimmungsrecht vorbeigeplant wurde, kostet mehr Zeit als eine, die den Betriebsrat von Anfang an einbezieht. Das ist kein juristischer Rat, sondern eine praktische Beobachtung aus Projekten.

Wie oft sollten wir das neu prüfen?

Einmal jährlich als Routine, zusätzlich immer dann, wenn ein Anbieter seine Bedingungen ändert. Anthropic hat die Trainingsvorgabe für Consumer-Pläne 2025 geändert — solche Änderungen kommen nicht mit einem Anschreiben an die Geschäftsführung, sondern als Hinweis in der Anwendung.

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