Die Kurzantwort: Beide sind gut genug. Die Entscheidung fällt nicht am Modell, sondern an drei Dingen, welche Arbeit Ihr Team tatsächlich abgibt, wie tief das Werkzeug an Ihre Daten kommt und welchen Tarif Sie buchen. Wer viel mit langen Dokumenten und exakten Vorgaben arbeitet, fährt mit Claude besser. Wer Bildgenerierung, Sprachfunktionen und die größte Auswahl an Integrationen braucht, ist bei ChatGPT richtig. Und in beiden Fällen gilt: Der Privattarif gehört nicht in den Betrieb.
Stand: August 2026. Preise und Funktionen ändern sich in diesem Markt schnell, alle Zahlen sind am Veröffentlichungstag auf den Anbieterseiten geprüft.
Offenlegung: Ich verdiene mein Geld mit Beratung und Training rund um Claude. Deshalb steht in diesem Beitrag ausdrücklich auch, wann Sie ChatGPT nehmen sollten, und ich nenne die Fälle zuerst.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Modellunterschied ist kleiner geworden: für Standardaufgaben liefern beide brauchbare Ergebnisse.
- Der Tarif entscheidet über den Datenschutz, nicht der Anbieter: Privattarife trainieren bei beiden standardmäßig mit, Geschäftstarife nicht.
- ChatGPT gewinnt bei Ökosystem, Bild- und Sprachfunktionen und dort, wo Mitarbeiter das Werkzeug privat schon kennen.
- Claude gewinnt bei langen Dokumenten, beim exakten Befolgen von Vorgaben und beim Programmieren.
- Der teuerste Fehler ist nicht die falsche Wahl, sondern gar keine, beide parallel, ohne Regeln, mit privaten Zugängen.
Wie ich vergleiche
Ich bewerte KI-Werkzeuge nicht nach Benchmark-Punkten, sondern nach sieben Kriterien aus der Beratungspraxis: reale Arbeitslast, Kontext-Anbindung, Datenschutz und Vertragslage, Einführbarkeit im Team, Gesamtkosten über zwölf Monate, Ausstiegskosten und Entwicklungstempo. Warum diese sieben und nicht die Bestenlisten, habe ich in meinem Bewertungsraster begründet. Dieser Vergleich arbeitet die sieben Punkte der Reihe nach ab.
Die Tarife im Überblick
Ein Hinweis zur Tabelle: Anthropic weist Listenpreise in US-Dollar aus, OpenAI in der EU-Ansicht in Euro. Ich rechne bewusst nicht um. Wechselkurse und Steuern würden einen Scheingenauigkeit erzeugen, die es nicht gibt.
| Tarif | Claude | ChatGPT |
|---|---|---|
| Gratis | Free, $0 | Free, €0 |
| Einstieg privat | Pro, $17/Mon. jährlich · $20 monatlich | Go €8 · Plus €23/Mon. |
| Vielnutzer privat | Max, ab $100/Mon. | Pro, ab €103/Mon. |
| Geschäftstarif | Team, $20/Sitz jährlich · $25 monatlich | Business, €21/Nutzer jährlich · €26 monatlich |
| Mindestabnahme | 2 Sitze (bis 150) | 2 Nutzer |
| Großunternehmen | Enterprise, ab 150 Sitze | Enterprise, Preis auf Anfrage |
Die Geschäftstarife liegen also praktisch gleichauf. Wer eine Entscheidung über den Sitzpreis fällen will, wird hier nicht fündig, und das ist eine gute Nachricht, weil sie den Blick auf die Fragen lenkt, die wirklich Geld kosten.
Der wichtigste Punkt: Der Tarif entscheidet über den Datenschutz
Wenn Sie aus diesem Beitrag nur einen Satz mitnehmen, dann diesen: Bei beiden Anbietern werden Inhalte in den Privattarifen standardmäßig für das Modelltraining verwendet, mit Opt-out. In den Geschäftstarifen findet standardmäßig kein Training statt.
Anthropic weist für Free, Pro und Max ein Opt-out aus; für Team und Enterprise gilt „kein Modelltraining auf Ihren Inhalten standardmäßig“. OpenAI führt in der Vergleichstabelle der Privattarife „Content is used to train our models. Opt-out available“, während für Business ausdrücklich gilt: keine Nutzung Ihrer Geschäftsdaten für das Training.
Was das praktisch bedeutet: Die riskanteste Konstellation im Mittelstand ist nicht „wir haben den falschen Anbieter gewählt“. Sie ist „drei Mitarbeiter nutzen ihre privaten Gratiszugänge für Angebote, Verträge und Personalthemen, und niemand weiß davon“. Diese Schatten-Nutzung lösen Sie nicht durch die Anbieterwahl, sondern durch einen bezahlten Geschäftszugang für alle, die es brauchen, plus eine Richtlinie, die das klarstellt.
Zwei Details, die in Ausschreibungen gern untergehen: Bei Anthropic überträgt der Feedback-Knopf (Daumen hoch/runter) die vollständige Konversation, die dann entkoppelt von der Nutzer-ID bis zu fünf Jahre gespeichert wird; Administratoren können die Funktion organisationsweit abschalten. Bei OpenAI ist Datenresidenz in zehn Regionen ein Enterprise-Merkmal, nicht Teil des Business-Tarifs. Für EU-Dienste ist bei Anthropic laut Fußzeile der eigenen Website Anthropic Ireland Limited der Anbieter.
Das ist eine Praxis-Einschätzung, keine Rechtsberatung, die verbindliche Prüfung Ihres Falls gehört zu Ihrem Datenschutzbeauftragten. Tiefer steige ich im DSGVO-Vergleich der vier großen Anbieter ein.
Wann ChatGPT gewinnt
Wenn Sie Bilder, Sprache und Breite brauchen. Bildgenerierung, Sprachmodus mit Video, ein sehr großes Angebot an Konnektoren und Apps, das ist die Domäne von ChatGPT. Wenn Ihr Marketing regelmäßig Bildmaterial erzeugt oder Sie Diktat- und Sprachfunktionen ernsthaft nutzen wollen, ist das kein Nebenaspekt, sondern der Hauptgrund für die Entscheidung.
Wenn Ihr Team es ohnehin schon kennt. Das ist ein unterschätztes Argument. Wenn zwei Drittel Ihrer Belegschaft ChatGPT privat nutzt, sparen Sie messbar Schulungsaufwand, und Sie holen genau die Schatten-Nutzung in einen kontrollierten Rahmen, die sonst Ihr größtes Datenschutzrisiko bleibt. Ein Werkzeug, das genutzt wird, schlägt ein theoretisch besseres, das niemand öffnet.
Wenn Sie fertige Anbindungen an Standardsoftware brauchen. Der Business-Tarif bringt Konnektoren zu Microsoft 365, Google Drive, Slack, GitHub, Linear und Figma mit. Wer genau diese Landschaft betreibt und schnell Ergebnisse will, spart sich Integrationsarbeit.
Wenn Sie Datenresidenz in einer bestimmten Region brauchen und bereit sind, in den Enterprise-Tarif zu gehen. Zehn Regionen zur Auswahl sind ein handfestes Argument für regulierte Branchen.
Wann Claude gewinnt
Bei langen Dokumenten und großen Textmengen. Verträge, Ausschreibungen, Gutachten, Protokollserien, wenn Ihre Arbeit daraus besteht, viel Text zu durchdringen und daraus etwas Präzises zu machen, ist das die Stärke von Claude. Das ist auch der Bereich, in dem ich in Projekten die deutlichsten Unterschiede sehe.
Wenn Vorgaben exakt eingehalten werden müssen. „Halte dich an diese Struktur, verwende diese Begriffe, erfinde nichts dazu“. Claude folgt solchen Vorgaben in meiner Erfahrung zuverlässiger. Für Textbausteine, standardisierte Antworten und alles, was hinterher geprüft wird, spart das Nacharbeit.
Beim Programmieren und bei Automatisierung. Wenn in Ihrem Haus entwickelt wird oder Sie Abläufe automatisieren, ist das ein starkes Argument. Wie sich die Werkzeuge dort schlagen, vergleiche ich gesondert im Beitrag zu Coding-Agenten.
Wenn Sie eigene Anbindungen bauen wollen. Über das Model Context Protocol lassen sich Fachanwendungen anschließen, für die es keine fertigen Konnektoren gibt. Das ist der Weg, auf dem aus einem Chatfenster ein Werkzeug wird, das Ihre Systeme kennt.
Der teure Fehler: beide parallel, ohne Regeln
Die häufigste Situation, die ich vorfinde, ist nicht die falsche Entscheidung, es ist die vermiedene. Zwei Abteilungen nutzen unterschiedliche Werkzeuge, ein Teil der Belegschaft arbeitet mit privaten Zugängen, es gibt keine Richtlinie, und niemand kann sagen, welche Firmendaten wo gelandet sind.
Das kostet nicht an Lizenzen, sondern an drei anderen Stellen: doppelter Schulungsaufwand, doppelte Datenschutzprüfung und ein Wissensstand, der sich nicht teilen lässt, weil die Vorlagen der einen Abteilung in der anderen nicht funktionieren. Warum ich trotzdem nicht für Monokultur plädiere, sondern für ein Standardwerkzeug plus ein bewusst zugelassenes Zweitwerkzeug, steht im Beitrag Ein KI-Tool oder mehrere?.
Drei Szenarien mit klarer Empfehlung
Steuerberatungs- oder Anwaltskanzlei, 8 Personen
Empfehlung: Claude Team. Die Arbeit besteht aus langen Dokumenten und exakten Formulierungen, die Mandantendaten machen den Datenschutz zum wichtigsten Kriterium, und Bildgenerierung braucht niemand. Wichtiger als die Werkzeugwahl ist hier allerdings, dass alle acht Personen einen Geschäftszugang bekommen und die privaten Zugänge für Mandantenunterlagen ausdrücklich untersagt werden.
Handwerksbetrieb mit Büro, 25 Personen, davon 5 im Büro
Empfehlung: ChatGPT Business für die fünf Büroplätze. Angebote, Mails, Ausschreibungstexte, Behördenschriftverkehr, das ist Standardarbeit, die beide Werkzeuge beherrschen. Ausschlaggebend ist die Vertrautheit: Wenn die Bürokraft das Werkzeug privat schon kennt, ist es in zwei Wochen produktiv statt in zwei Monaten. Die 20 Personen auf der Baustelle brauchen vorerst gar keinen Zugang.
Agentur, 15 Personen
Empfehlung: beide, aber mit klarer Aufgabenteilung. Das ist der Fall, in dem zwei Werkzeuge sich wirklich rechnen: ChatGPT für Bildmaterial, Sprachfunktionen und schnelle Ideensammlung, Claude für Konzepte, lange Texte und alles, was am Ende beim Kunden landet. Voraussetzung ist eine schriftliche Regel, welches Werkzeug wofür zuständig ist, sonst zahlen Sie doppelt und bekommen anderthalb.
Was Sie unabhängig vom Werkzeug regeln müssen
- Eine Richtlinie auf einer Seite: Was darf hinein, was nicht, welcher Zugang ist erlaubt. Länger liest sie niemand.
- Geschäftszugänge für alle, die es brauchen. Sparen Sie hier, verlagern Sie das Problem in private Konten, die Sie nicht kontrollieren.
- Eine benannte Person, die Fragen beantwortet. Ohne die versandet jede Einführung nach drei Wochen.
- Prompt-Hygiene: keine vollständigen Personalakten, keine Zugangsdaten, keine ungeschwärzten Kundendaten, solange das nicht ausdrücklich geprüft ist.
- Ein Ablagesystem für das, was funktioniert. Gute Vorlagen gehören in Ihre eigene Ablage, nicht in den Verlauf eines Chatfensters.
Häufige Fragen
Reicht der Gratistarif für einen kleinen Betrieb?
Zum Ausprobieren ja, für den Betrieb nein. In den Gratistarifen beider Anbieter werden Inhalte standardmäßig fürs Training verwendet. Sobald Kunden-, Personal- oder Vertragsdaten im Spiel sind, brauchen Sie einen Geschäftstarif, unabhängig von der Betriebsgröße.
Was kostet der Umstieg, wenn wir uns falsch entscheiden?
Die Lizenz ist monatlich kündbar, das ist nicht das Problem. Teuer sind die Schulung und alles, was Sie selbst aufgebaut haben: Vorlagen, Richtlinien, Anbindungen. Deshalb mein Rat, alles Selbstformulierte in Ihrer eigenen Ablage zu halten, dann ist ein Wechsel eine Woche Arbeit statt eines Projekts.
Ist Claude wirklich besser im Programmieren?
In meiner Projektpraxis ja, deutlich. Aber das ist nur relevant, wenn bei Ihnen entwickelt oder automatisiert wird. Für einen Betrieb ohne Entwicklung ist dieses Kriterium schlicht kein Entscheidungsargument, und ich würde es nicht als eines verkaufen.
Können wir mit dem Geschäftstarif einen AV-Vertrag abschließen?
Beide Anbieter stellen für die Geschäftstarife entsprechende Vertragswerke bereit. Prüfen Sie im konkreten Fall, wer Ihr Vertragspartner ist, wo die Daten verarbeitet werden und welche Subunternehmer eingebunden sind, und lassen Sie das von der Person gegenzeichnen, die bei Ihnen für Datenschutz verantwortlich ist.
Wie lange bleibt dieser Vergleich gültig?
Die Preise und Funktionen vermutlich wenige Monate, die Struktur der Entscheidung deutlich länger. Ich prüfe diesen Beitrag quartalsweise nach und aktualisiere die Zahlen. Wenn oben ein Stand steht, der mehr als ein halbes Jahr zurückliegt, behandeln Sie die Zahlen als Anhaltspunkt und nicht als Grundlage.
